Meldungen aus dem Landesverband

75 Jahre Kriegsende in Regensburg

Die Kriegstoten und Opfer der NS-Gewaltherrschaft niemals vergessen.

Vor 75 Jahren erreichte der Zweite Weltkrieg schließlich auch die Oberpfalz, und hier auch die größte oberpfälzische Stadt, Regensburg. Die Stadt an der Donau war schon zuvor das Ziel von alliierten Luftangriffen, vor allem wegen der dort im Stadtwesten befindlichen Messerschmitt-Werke. Der verheerendste Luftangriff fand am 17. August 1943 statt, im Rahmen der Operation „Double Strike“, welcher zum Ziel die Zerstörung dieser Werke, damals eines der größten in Deutschland, hatte. Andere Ziele waren die Bahnanlagen der Stadt, die Donaubrücken und das Hafengelände. Bei diesem Bombenangriff auf Regensburg kamen ca. 400 Menschen ums Leben, darunter 91 Lehrlinge sowie zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene, die als Zwangsarbeiter in dem Messerschmitt-Werk arbeiten mussten.

Am 23. April vor 75 Jahren erreichten Angehörige der 90. und 97. Infanteriedivision der 3. US-Armee das KZ Flossenbürg und befreiten es. Wenige Tage zuvor, am 19. April 1945, befahl jedoch der damalige Lager-Kommandant Max Koegel einen Todesmarsch der Lagerinsassen zum südlicher gelegenen KZ Dachau. Anfang 1945 befanden sich nämlich noch zwischen 25.000 und 30.000 Häftlinge im KZ Flossenbürg. Insgesamt befanden sich in dem 1938 eingerichteten KZ, das eben bis zum 23. April 1945 bestand, an die 100.000 Häftlinge, wovon 30.000 ums Leben kamen. Noch am 9. April 1945, bevor der Befehl zur „Evakuierung“ des Lagers erteilt wurde, wie die Auflösung des Lagers im menschenverachtenden NS-Jargon lautete, wurden einige der prominentesten Häftlinge, vor allem aber Widerständler aus dem Umfeld des 20. Juli 1944, auf ausdrücklichen Befehl Hitlers u. a. der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der ehemalige Chef der Abwehr Admiral Wilhelm Canaris sowie die Wehrmachtsoffiziere und Widerständler Ludwig Gehre und Hans Oster im KZ Flossenbürg erhängt.

In vier Marschkolonnen, die jeweils zwischen 2.000 und 4.000 Häftlinge umfassten, verließen sie das KZ, wovon später die Amerikaner entlang der Routen ca. 5.000 Leichen entdeckten. Denn Koegel erteilte den SS-Wachen, welche die Todesmärsche begleiteten, einen Schießbefehl: Jeder, der nicht mehr laufen konnte, sollte erschossen werden. Nach einem Befehl Heinrich Himmlers durfte nämlich kein KZ-Häftling lebend den Alliierten in die Hand fallen. Viele Häftlinge wurden in Züge verbracht, die später von amerikanischen Tieffliegern beschossen wurden. Dabei starben etliche Gefangene, da die SS-Wachen, die von den Zügen sprangen, den Häftlingen nicht erlaubten, sich ebenfalls in Sicherheit zu bringen. So passierten diese Kolonnen zahlreiche oberpfälzer Ortschaften, die Routen führten u. a. an Kemnath, Neunburg vorm Wald, Schwandorf, Floß, Weiden, Schwarzenfeld und Nabburg vorbei. Die meisten Kolonnen trafen sich in Neunburg vorm Wald wieder. Unterwegs kamen zahlreiche Häftlinge bei Luftangriffen auf die Züge ums Leben, oder wurden von der SS erschossen, als sie nicht mehr weiterkonnten oder zu fliehen versuchten. Hunderten gelang es aber tatsächlich zu fliehen und sich so zu retten. Im KZ Dachau selbst kamen am 28. April 1945, nach neun Tagen Marsch, lediglich etwas über 2.600 Häftlinge an, und damit nur eine Kolonne. Von den etwas mehr als 1.500 im Lager zurückgebliebenen Häftlingen, die für einen Marsch zu schwach oder krank waren, verstarben in den Wochen darauf nach Kriegsende viele an Entkräftung, Krankheit und Hunger.

Zeitgleich mit der Befreiung des KZ Flossenbürg endete auch das Außenlager des KZ Flossenbürg in Regensburg (ein anderes Außenlager befand sich in Obertraubling), nämlich in Stadtamhof im Gasthaus „Colosseum“. Dieses wurde als provisorisches Lager am 19. März 1945 eingerichtet, und bestand bis zum 23. April 1945. Etwa 400 Häftlinge waren hier gezwungen worden, die Schäden der Luftangriffe auf Regensburg auszubessern. Etwa ein Drittel dieser Häftlinge waren Juden, die anderen waren Russen, Belgier, Franzosen sowie Angehörige weiterer Nationen, darunter sogar 22 Deutsche. Bei nur Brot und Suppe mussten sie täglich für bis zu zwölf Stunden über die Steinerne Brücke und die Altstadt zum Bahnhof marschieren, um dort die Schäden zu beseitigen. Allein für den Zeitraum vom 23. März bis zum 10. April 1945 sind 35 Tote verzeichnet, insgesamt schätzt man die in Regensburg ums Leben gekommenen Häftlinge auf 70. In der Nacht zum 23. April 1945 wurde dann auch dieses Außenlager „evakuiert“, nur 28 Schwerstkranke und ein Toter blieben zurück. Die restlichen Häftlinge wurden auf einen Todesmarsch Richtung Landshut getrieben, den nur 50 von ihnen überlebten.

Schon 1944 hatte Hitler Regensburg, wie viele andere deutsche Städte auch, zur „Festung“ erklärt. Als die Alliierten die Wehrmacht immer weiter aus den von ihr besetzten Ländern aufs Reichsgebiet zurückdrängten, forderte in einer fanatischen Rede im Velodrom am 22. April 1945 der Gauleiter (Gau Bayreuth) und Reichsverteidigungskommissar Ludwig Ruckdeschel die Verteidigung Regensburgs „bis zum letzten Stein“. Außer der Steinernen Brücke ließ er noch in der Nacht zum 23. April 1945 alle Donaubrücken sprengen. Kurz darauf floh er aber nach Alteglofsheim. Am 23. April 1945 fand auf dem damaligen Moltkeplatz, heute Dachauplatz, eine Demonstration statt, die hauptsächlich von Regensburger Frauen und Kindern und Älteren organisiert wurde, auf welcher der Domprediger Johann Meier sich für eine kampflose Übergabe der Stadt einsetzte, um so weitere Beschädigungen der Stadt sowie sinnlose Opfer zu vermeiden. Am Tag darauf wurden er sowie der Regensburger Bürger Josef Zirkl und der im Ruhestand befindliche Gendarmeriebeamte Michael Lottner auf dem Dachauplatz wegen „Sabotage“ hingerichtet. Am 27. April dann wurde die Stadt, nach vorherigem Abzug von Einheiten der 71. Infanteriedivision der Wehrmacht, schließlich doch kampflos an die Amerikaner übergeben.

Neben den Opfern der NS-Gewaltherrschaft kamen auch bei mehreren Luftangriffen alleine auf Regensburg zwischen 1943 und 1945 an die 3.000 Menschen ums Leben. Darunter waren neben vielen Regensburgerinnen und Regensburgern auch Zwangsarbeiter, hauptsächlich Kriegsgefangene, aus der damaligen Sowjetunion, Jugoslawien, Frankreich und vielen anderen von der Wehrmacht besetzten Ländern.

In Regensburg gibt es zu ihrem Andenken zwei Kriegsgräberstätten, die auf dem Oberen Katholischen Friedhof errichtet wurden. Die Gräberstätte I wurde schon 1939 errichtet, die Gräberstätte II erst in den letzten Kriegsjahren. Hier ruhen neben Soldaten der Wehrmacht auch die zivilen Opfer des verheerenden Luftangriffes vom 17. August 1943.

Hier finden Sie weitere Informationen zu der Kriegsgräberstätte in Regensburg:

https://www.volksbund.de/bayern/kriegsgraeberstaetten/kriegsgraeberstaette-regensburg.html

Seit nunmehr sechs Jahren gedenkt auch die Stadt Regensburg besonders den Opfern des Nationalsozialismus am 23. April mit einem Gedenkweg, der über das KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof bis zum Dachauplatz führt. Wegen der Corona-Pandemie gibt es dieses Mal nur einen virtuellen Rundgang. Im Herbst dieses Jahres soll dann das Gedenken zum 75-jährigen Ende des Zweiten Weltkrieges nachgeholt werden. Am 8. Mai, an welchem in Organisation des Bezirksverbandes Oberpfalz im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. zusammen mit Vertretern der Katholischen und Evangelischen Kirche ein ökumenischer Gedenkgottesdienst im Dom St. Peter geplant war, soll laut eines Aufrufes der Stadt symbolisch eine Kerze ins Fenster gestellt und davon Bilder gepostet werden. Hier der Link zum Aufruf:

https://www.regensburg.de/aktuelles/pressemitteilungen/159998/416879/virtueller-gedenkweg-an-die-opfer-des-nationalsozialismus-am-23-april-2020.html

Eine Kerze für den Frieden!

Diesem Aufruf wollen auch wir vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. uns sehr gerne anschließen und auch Sie alle, unsere verdienten und überaus geschätzten Ehrenamtlichen, Mitglieder, Sammler und Förderer, dazu aufrufen. Denn gerade in diesen sehr schweren und bewegten Zeiten wollen auch wir alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft nicht vergessen und ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren! Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund der schrecklichen Mordtaten in Kassel und Hanau, aber auch vor einem leider erneut erstarkten Rechtsradikalismus. Wir brauchen heute vielleicht auch mehr denn je Mut zum Frieden, und gemeinsam wollen wir alle dafür sowie für Freiheit und Demokratie einstehen!

Wir werden uns über Ihre Bilder sehr freuen! Diese können Sie uns am 8. Mai an unsere E-Mail-Adresse bv-oberpfalz@volksbund.de schicken. Wir werden dann gesammelte und ausgewählte Bilder (am besten aus der ganzen Oberpfalz) auf unserer Homepage gerne veröffentlichen. Damit setzen Sie alle gemeinsam mit uns ein Zeichen für den Frieden! Text: Dr. Dario Vidojković

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