Es war ein Vormittag, der in Erinnerung bleibt: 25 junge Menschen aus zehn Nationen (Belarus, Bulgarien, Deutschland, England, Italien, Polen, Ukraine, Ungarn, Türkei und Zypern) kamen am 6. August auf der deutschen Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof mit zahlreichen Gästen zusammen, um den Abschluss der diesjährigen Internationalen Jugendbegegnung zu begehen. Was die Jugendlichen in den Tagen zuvor gemeinsam erlebt, erarbeitet und diskutiert hatten, wurde hier noch einmal auf besondere Weise sichtbar – in persönlichen Beiträgen, gemeinsamen Momenten des Gedenkens und vielen Begegnungen über Länder- und Generationengrenzen hinweg.
Besonderer Abschluss der Jugendbegegnung in München
Erinnern, lernen und Verantwortung übernehmen
Unter dem Motto „Gemeinsam für den Frieden“ hatten sich die jungen Teilnehmer während der Jugendbegegnung intensiv mit den Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft auseinandergesetzt. Auf der Kriegsgräberstätte pflegten sie Gräber, beschäftigten sich mit den Lebensgeschichten der dort Bestatteten und lernten den Waldfriedhof als einen Ort kennen, an dem europäische Geschichte unmittelbar greifbar wird. Dabei ging es nicht allein um die Vergangenheit. Immer wieder stellte sich auch die Frage, was Erinnerung heute bedeutet – und welche Verantwortung daraus für ein friedliches Zusammenleben erwächst.
Viele Gäste – ein gemeinsames Anliegen
Zur Abschlussveranstaltung konnte der Volksbund eine große und vielfältige Gästerunde begrüßen. Landesgeschäftsführer Jörg Raab, Oberstleutnant a.D. Heinrich Stadelmaier, 2. Vorsitzender des Bezirksverbandes München (Stadt und Land), Stadträtin Carmen Romano sowie Hauptmann Samuel Ortmanns, Teamleiter der Jugendbegegnung, würdigten in ihren Grußworten das Engagement der Teilnehmer. Unter den Gästen befanden sich zudem Angehörige der Bundeswehr, Vertreter italienischer Reservistenverbände und des Konsularischen Korps sowie zahlreiche langjährige Mitglieder und Wegbegleiter des Volksbundes. Damit kamen an diesem Vormittag ganz unterschiedliche Generationen und Perspektiven zusammen – verbunden durch das gemeinsame Anliegen, Erinnerung wachzuhalten und Verständigung zu fördern.
Die Stimmen der jungen Menschen im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt des Vormittags standen jedoch die Jugendlichen selbst. In ihren Redebeiträgen berichteten sie von ihren Erfahrungen der vergangenen Tage, von neuen Freundschaften und Begegnungen, aber auch von ihren ganz persönlichen Gedanken über Erinnerung, Krieg und Frieden. Gerade diese unterschiedlichen Stimmen machten spürbar, was eine internationale Jugendbegegnung leisten kann: Menschen mit verschiedenen Geschichten und Perspektiven kommen zusammen, hören einander zu und entdecken, wie viel sie miteinander verbindet.
Ein besonderer Moment entstand beim gemeinsamen Singen des Beatles-Klassikers „In My Life“. Das Lied über Erinnerungen, Orte und Menschen, die prägen, passte beinahe wie selbstverständlich zu diesem Vormittag. Mit dem anschließenden, mehrsprachig vorgetragenen Totengedenken wurde es still auf der Kriegsgräberstätte. Gemeinsam erinnerten Teilnehmer und Gäste an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Selbst das Wetter sorgte für einen kleinen, ungeplanten Gemeinschaftsmoment: Ein plötzlich einsetzender, heftiger Regenschauer zwang die Anwesenden kurzzeitig, näher zusammenzurücken und Schutz zu suchen. Der guten Stimmung tat dies keinen Abbruch. Kaum hatte sich der Himmel wieder aufgeklart, wurde das Programm gemeinsam fortgesetzt.
Biografien machen Geschichte greifbar
Anschließend führten die Jugendlichen ihre Gäste über die Kriegsgräberstätte. An ausgewählten Gräbern erzählten sie von den Biografien, mit denen sie sich während der Begegnung beschäftigt hatten. Aus Namen, Geburtsdaten und Inschriften wurden so individuelle Lebensgeschichten. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit für Gespräche mit den jungen Menschen, andere hielten für einen Moment still inne.
Begegnung bis zum Schluss
Den gelungenen Abschluss bildete ein gemeinsamer Umtrunk mit Speisen, die dankenswerterweise von der Bundeswehr vorbereitet wurden. In entspannter Atmosphäre kamen Jugendliche und Gäste miteinander ins Gespräch und ließen die Veranstaltung gemeinsam ausklingen.
Das Leitungsteam kann eine außergewöhnliche Bilanz und Kontinuität vorweisen: Samuel Ortmanns war heuer bereits zum zehnten Mal als IJB-Teamer im Einsatz, seine Frau Alexandra zum dritten Mal, seine Schwester Tabea zum 5. Mal. Jule Genuit war zum sechsten Mal als Teamerin gefordert, zudem hat sie drei Workcamps als Teilnehmerin absolviert. Die Aushändigung von Ehrenurkunden an das gesamte ehrenamtliche Leitungs- und Organisationsteam nebst Feldköchen und Busfahrern waren sichtbares Zeichen der Anerkennung für deren besonderes Engagement.
Am Ende blieb der Eindruck einer Begegnung, die weit über ein „klassisches Gedenken“ hinausging. 25 junge Menschen aus zehn Nationen haben in München gezeigt, wie lebendig Erinnerungsarbeit sein kann – offen, persönlich und zugewandt. Sie haben gemeinsam gearbeitet, diskutiert und erinnert. Gerade in einer Zeit, in der Frieden in Europa und darüber hinaus alles andere als selbstverständlich ist, war das ein starkes Zeichen: Verständigung beginnt mit Begegnung.