Meldungen aus dem Landesverband Bayern
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Gedenken, Erinnerung, Mahnung für Gegenwart und Zukunft

Gedanken zum Volkstrauertag 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Die Kriegsgräberstätte Budaörs ist die größte Anlage für deutsche und ungarische Kriegstote in Ungarn. Sie liegt wenige Kilometer westlich der Hauptstadt Budapest. Hier ruhen 17.502 Gefallene des Zweiten Weltkrieges. Der Friedhof wurde am 19. Oktober 2002 eingeweiht. Volksbund / Uwe Zucchi


Die Dimension und die Folgen des Zweiten Weltkrieges sind ungeheuerlich: Über 65 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte von ihnen Zivilisten, verloren ihr Leben durch kriegerische Handlungen, durch Massenmord im Rahmen von Massakern und des KZ-Systems, im Feuersturm der Bombenangriffe, auf der Flucht, in Kriegsgefangenschaft, im Zuge der Vertreibung und Deportation. Etwa 6,3 Millionen Deutsche starben. Keine Familie blieb von den Auswirkungen des Krieges verschont.
 

Krieg ist nicht an einem Tag vorbei

Mit dem rückblickenden Wissen, dass die vollständige militärische Niederlage und Besetzung Deutschlands durch die Alliierten die Voraussetzung für das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war und letztlich 1949 in die Gründung unserer freiheitlich-demokratisch verfassten Bundesrepublik mündete, ist der 8. Mai als ein „Tag der Befreiung“ zu werten.

Der 8. Mai bedeutete für viele Deutsche aber auch den Beginn einer ungewissen und leidvollen Zukunft - den Weg in die Kriegsgefangenschaft, die je nach Gewahrsamsmacht viele Jahre unter menschenverachtenden Bedingungen andauern konnte und für Hunderttausende den Tod bedeutete oder aber die Flucht und Vertreibung aus der Heimat.

Bereits im Winter 1944/1945 flohen die Massen vor der heranrückenden Roten Armee. Bilder von Trecks im tiefen Schnee. Mütter, die Kinder übers zugefrorene Haff zerren, tote Pferde im Straßengraben, zurückgelassene Erfrorene. Nachdem Ostpreußen bereits eingeschlossen war, brachte die deutsche Kriegsmarine ab Ende Januar 1945 bis Mai des Jahres zwei Millionen Menschen nach Dänemark und Schleswig-Holstein. Auch nach Bayern kamen fast zwei Millionen Vertriebene. Hier wurden die Sudetendeutschen zum sog. „vierten Stamm“ neben Altbayern, Franken und Schwaben.

Insbesondere in den von sowjetischen Truppen besetzten Landesteilen, bedeutete das Kriegsende eine Zeit voller Hunger, Entbehrungen und willkürlicher Gewaltakte, eine Zeit der Recht- und Schutzlosigkeit. Zudem wurde für die Menschen in der späteren SBZ die nationalsozialistische Terrorherrschaft fast nahtlos durch eine kommunistische Diktatur stalinistischen Zuschnitts abgelöst. Stalin unterzog den späteren Ostblock einer gnadenlosen Sowjetisierung.

Erinnerung tut not

Erinnerung ist per se ein nicht enden wollender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und 1945 ist zweifellos ein Epochenjahr, das bis in die Gegenwart und darüber hinaus nachwirkt. Jedoch verstummt die Kriegs- und Erlebnisgeneration zusehends. Die kollektive Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, die NS-Gewaltherrschaft und die Nachkriegszeit verblasst mit jeder sterbenden Zeitzeugin, mit jedem sterbenden Zeitzeugen mehr. 80 Jahre, mehr als ein Menschenalter nach den Ereignissen, wird eine maximale Haltbarkeit von Erinnerung spürbar.

Zeitenwende

Die Welt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Wir erleben Veränderungen und Herausforderungen historischen Ausmaßes – geopolitisch, ökologisch, digital und im Inneren unserer Gesellschaft. Wir sind Zeuge einer in weiten Teilen ungeordneten Migration und des Erstarkens extremistischer Kräfte jeglicher Motivlage. Dies alles und vieles andere mehr fordert uns als Gesellschaft in unserer Kohäsion und Resilienz in bislang nicht gekanntem Ausmaß.

Die vielzitierte „Zeitenwende“, die unmittelbar nach dem völkerrechtswidrigen Angriff Russlands auf die Ukraine proklamiert wurde, ist sowohl Zustandsbeschreibung eines gravierenden Einschnittes in der Geschichte Europas als auch Beschreibung für einen außen- und sicherheitspolitischen Kurswechsel. Dieser Kurswechsel bezieht sich vor allem auf das Verhältnis Deutschlands und seiner europäischen und transatlantischen Bündnispartner zur Russischen Föderation. Der Krieg in der Ukraine führte zu einem Ende der Phase der Entspannungspolitik, die nach dem Fall der Mauer und der Auflösung der Sowjetunion eingeleitet wurde. Wir sehen uns mit neuen Bedrohungsszenarien, dem Menetekel des (auch atomaren) Wettrüstens und der Gefahr weiterer Eskalation konfrontiert.

Geschichte wiederholt sich nicht und Erinnerung ist keine Schablone. Doch sie kann ein Kompass sein, der existenziell für unsere Selbstvergewisserung ist und immer in Richtung Demokratie in Freiheit weist. 2,8 Millionen Toten auf rund 830 Kriegsgräberstätten des Volksbunds in 45 Ländern und 167.000 Kriegstote verschiedener Nationen auf Friedhöfen in Bayern sprechen leise zu uns. Die Toten mahnen uns Sorge dafür zu tragen, dass wir, dass unsere Kinder und Enkel die Schrecken von Krieg und Totalitarismus nicht werden erleiden müssen. So geben uns die Toten und die Lebenden am diesjährigen Volkstrauertag, 16. November 2025, einen eindeutigen Auftrag:

Gemeinsam für den Frieden.