Krieg ist nicht an einem Tag vorbei
Mit dem rückblickenden Wissen, dass die vollständige militärische Niederlage und Besetzung Deutschlands durch die Alliierten die Voraussetzung für das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war und letztlich 1949 in die Gründung unserer freiheitlich-demokratisch verfassten Bundesrepublik mündete, ist der 8. Mai als ein „Tag der Befreiung“ zu werten.
Der 8. Mai bedeutete für viele Deutsche aber auch den Beginn einer ungewissen und leidvollen Zukunft - den Weg in die Kriegsgefangenschaft, die je nach Gewahrsamsmacht viele Jahre unter menschenverachtenden Bedingungen andauern konnte und für Hunderttausende den Tod bedeutete oder aber die Flucht und Vertreibung aus der Heimat.
Bereits im Winter 1944/1945 flohen die Massen vor der heranrückenden Roten Armee. Bilder von Trecks im tiefen Schnee. Mütter, die Kinder übers zugefrorene Haff zerren, tote Pferde im Straßengraben, zurückgelassene Erfrorene. Nachdem Ostpreußen bereits eingeschlossen war, brachte die deutsche Kriegsmarine ab Ende Januar 1945 bis Mai des Jahres zwei Millionen Menschen nach Dänemark und Schleswig-Holstein. Auch nach Bayern kamen fast zwei Millionen Vertriebene. Hier wurden die Sudetendeutschen zum sog. „vierten Stamm“ neben Altbayern, Franken und Schwaben.
Insbesondere in den von sowjetischen Truppen besetzten Landesteilen, bedeutete das Kriegsende eine Zeit voller Hunger, Entbehrungen und willkürlicher Gewaltakte, eine Zeit der Recht- und Schutzlosigkeit. Zudem wurde für die Menschen in der späteren SBZ die nationalsozialistische Terrorherrschaft fast nahtlos durch eine kommunistische Diktatur stalinistischen Zuschnitts abgelöst. Stalin unterzog den späteren Ostblock einer gnadenlosen Sowjetisierung.