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Meldungen aus dem Landesverband Bayern
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Geschichte lebendig machen: „Lern- und Gedenkort Westfriedhof“ eröffnet

Augsburger Gedenkort feierlich der Öffentlichkeit vorgestellt

Teilnehmer an einer Veranstaltung

Starker Pubblikumsandrang zur Projektvorstellung Volksbund

Unter dem diesjährigen bundesweiten Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ zeigte sich eindrucksvoll, wie historische Aufarbeitung und moderne Vermittlung ineinandergreifen können. Der Westfriedhof, Augsburgs größte Begräbnisstätte, wandelt sich damit abseits seiner Funktion als Ruhestätte zu einem zeitgemäßen Ort des aktiven Erinnerns, Lernens und Verstehens.

Die Vorstellung stieß auf großes öffentliches Interesse. Zum Auftakt der Veranstaltung fanden vor den Toren des Friedhofs bewegende Ansprachen statt. Der Ordnungsreferent der Stadt Augsburg, Frank Pintsch betonte in der Eröffnungsrede die fundamentale Bedeutung der Augsburger Erinnerungskultur für die Gegenwart und dankte allen Beteiligten für ihr unermüdliches Engagement. Er verdeutlichte, wie wichtig es ist, gerade junge Generationen für die Schrecken der Vergangenheit zu sensibilisieren, um ein starkes Fundament für den heutigen Frieden zu sichern. Die Projektbeteiligten erklärten dem Publikum im Anschluss, wie das Projekt zustande kam, wie es sich entwickelte und wie zusammengearbeitet wurde.
 

Ein starkes Netzwerk: Die Projektteilnehmer

Das Gelingen dieses Mammutprojekts beruhte auf einer engen, fächer- und generationenübergreifenden Kooperation. Der Arbeitsaufwand und die Projektkosten konnten so auf viele Schultern verteilt. Folgende Projektteilnehmer haben den Lernort gemeinsam Realität werden lassen:

  • Die „Geschichtsdetektive“ des Maria-Ward-Gymnasiums: Die Schülerinnen und Schüler des Wahlkurses unter der fachlichen Leitung von Joanna Linse und Eva-Maria Noppen-Eckart bildeten das Herzstück der inhaltlichen Aufarbeitung.
  • Bürgeraktion Pfersee „Schlössle“ / Geschichtswerkstatt Augsburg: Vertreten durch Bernhard Kammerer, steuerten die lokalen Historiker unschätzbares Archivwissen und tiefgehende Recherchen zur Stadtteilgeschichte bei.
  • Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: Der Volksbund unterstützte das Vorhaben maßgeblich und stellt die digitale Infrastruktur sowie die Online-Plattform für die vertiefenden Inhalte bereit.
  • Geschichtsagentur Augsburg: Sie flankierte das Projekt mit bereits fundiert erforschten historischen Grundlagen.
  • Die Fachstelle für Erinnerungskultur Augsburg: Sie begleitete das Projekt als Schnittstelle zur Stadt und dem Amt für Grünordnung und Friedhofswesen, sowie zur finanziellen Unterstützung durch die Stadt Augsburg.

Das Projekt: Was macht den Gedenkort so besonders?

Der „Lern- und Gedenkort Westfriedhof“ bricht mit klassischen Mustern der Erinnerungsarbeit. Er verbindet den historischen Boden Augsburgs mit digitaler, interaktiver Didaktik. Von vornherein war klar, dass auf herkömmlichen Infotafeln nur wenig Platz ist. Gleichzeitig wären große Tafeln ein zu starker Eingriff in das Gesamtbild des Westfriedhofs gewesen. Aus dieser Problematik heraus entstand die Idee, kleine Tafeln QR-Codes zu verwenden und die Inhalte online vorzuhalten. Der „Friedenspfad“: Die Jugendlichen haben einen Rundgang mit elf Stationen konzipiert. Der Weg führt vorbei an Sammelgedenkstätten, Einzeldenkmalen und geschichtsträchtigen Gräbern, die die Auswirkungen der beiden Weltkriege und der Gewaltherrschaft des 20. Jahrhunderts dokumentieren.

QR-Codes: Besucherinnen und Besucher nutzen ihr eigenes Smartphone. Damit wird der Rundgang zu einer interaktiven Entdeckungsreise, die insbesondere Schulklassen und Jugendliche auf Augenhöhe abholt.Multimediale Inhalte: An den Stationen angebrachte QR-Codes führen direkt zu tiefergehenden Materialien auf der Online-Plattform. Die Schülerinnen und Schüler haben eigens dafür Podcasts und einen Film produziert. Persönliche Schicksale im Fokus: Das Projekt leiht den Opfern eine Stimme. So interviewten die Jugendlichen beispielsweise den 80-jährigen Rabbiner Gabor Lengyel, dessen jüdische Mutter Janka als Zwangsarbeiterin in Augsburg starb und hier begraben liegt. Auch das Schicksal von Kleinkindern verschleppter Zwangsarbeiterinnen, wie dem nicht einmal zweijährigen Viktor, wird beleuchtet und holt die Geschichte aus der Anonymität der Zahlen heraus.

Großes Interesse bei der Premiere

Direkt im Anschluss an die Ansprachen luden die Projektteilnehmer zu den ersten offiziellen Führungen ein. Bernhard Kammerer sowie die Schülerinnen und Schüler selbst führten die Besucher in Gruppen über das Gelände. Die Resonanz war überwältigend: Viele Teilnehmende zeigten sich tief berührt von der Detailtiefe und der emotionalen Reife, mit der die Jugendlichen die teils düsteren Kapitel der Stadtgeschichte – wie den KZ-Ehrenhain für die Opfer des Faschismus – aufbereitet haben. Ab sofort steht der Lernort allen Bürgerinnen, Bürgern, Schulklassen und Interessierten dauerhaft offen. Packen Sie Ihr Smartphone ein und begeben Sie sich selbst auf diesen bewegenden Friedenspfad. Für Bundeswehr, Jugendgruppen, Schulklassen oder Vereine bietet der Bezirksverband Schwaben des Volksbundes zusätzlich auch Führungen an. Fragen Sie einfach in der Geschäftsstelle unter bv-schwaben@volksbund.de nach!