Im Rahmen einer eindrucksvollen 7-tägigen Bildungs- und Erinnerungsreise führte der Bezirksverband Schwaben im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. eine Reise zu zentralen Stätten des Erinnerns in Frankreich durch. Die Fahrt verband historisches Lernen, persönliche Begegnungen und gelebte Völkerverständigung – ganz im Sinne des Leitsatzes des Volksbundes: Gemeinsam für den Frieden.
Historisches Lernen und gelebte Völkerverständigung
Eindrucksvoller Halt in Compiègne
Bereits auf dem Weg in die Normandie wurde deutlich, wie wichtig das gemeinsame Erinnern ist. Erste Station war die Kriegsgräberstätte Gosselming, auf der Soldaten des Ersten Weltkriegs – Deutsche wie Franzosen – ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ein weiterer eindrucksvoller Halt war das Waffenstillstandsmuseum in Compiègne, jenem historischen Ort, an dem 1918 der Erste Weltkrieg beendet wurde.
Die Normandie: Orte des Gedenkens und Mahnens
In der Normandie besuchte die Gruppe zentrale Erinnerungsorte des Zweiten Weltkriegs: den deutschen Soldatenfriedhof La Cambe, die amerikanische Kriegsgräberstätte am Omaha Beach sowie die britische Anlage in Bayeux. Die Landungsstrände der Alliierten – insbesondere Gold Beach und Omaha Beach – sowie die dazugehörigen Museen und Denkmäler machten die Dimension der Ereignisse des Jahres 1944 eindrucksvoll greifbar. Ergänzt wurde das Programm durch Stadtbesichtigungen in Caen, Bayeux und Honfleur, die eindrucksvoll zeigen, wie sich die ehemals stark zerstörte Region heute als lebendige Kultur- und Erinnerungslandschaft präsentiert.
Ein Höhepunkt: Mortain – gelebte Städtepartnerschaft
Ein besonderer Höhepunkt der Reise war der Besuch in Mortain, der Partnerstadt von Thannhausen. Die Gruppe wurde herzlich vom Bürgermeister Jacques Lemonnier empfangen. Auch die Grüße des Thannhauser Bürgermeisters Alois Held wurden überbracht und ebenso herzlich erwidert – ein sichtbares Zeichen der gewachsenen und lebendigen Partnerschaft. Im Anschluss führte der frühere Bürgermeister Hervé Desserouer die Gruppe über den geschichtsträchtigen Hill 314. Dabei wurde die Geschichte dieses Ortes eindrucksvoll lebendig: Im August 1944 verteidigten amerikanische Soldaten die strategisch wichtige Anhöhe mehrere Tage lang unter schwersten Bedingungen gegen deutsche Angriffe und trugen entscheidend zum Scheitern der Gegenoffensive bei. Die Kämpfe führten dazu, dass Mortain weitgehend zerstört wurde – die heutige Stadt ist das Ergebnis des Wiederaufbaus.
Am Denkmal auf Hill 314 legte die Reisegruppe ein Blumengebinde nieder und gedachte der Opfer – ein stiller und bewegender Moment des Erinnerns.
Vier der Teilnehmer gehörten dem Soldaten- und Veteranenverein Thannhausen an und unterstrichen damit die enge Verbindung zwischen den Partnerstädten zusätzlich. Auf dem Platz der Partnerschaft in Mortain wird diese Verbindung auch sichtbar: Friedenstauben aus Thannhausen stehen dort als Symbol der Freundschaft und der gemeinsamen Verantwortung für den Frieden. Ein Leitspruch bringt dies besonders treffend zum Ausdruck: „Marcher ensemble sur des chemins et laisser des traces“ – Gemeinsam Wege gehen und Spuren hinterlassen.
Versöhnung als gewachsene Aufgabe
Gerade in Mortain wurde deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen und Städtepartnerschaften für die deutsch-französische Aussöhnung sind. Was einst durch Krieg getrennt war, wächst heute wieder zusammen. Eine besondere Verbindung zur Stadt besteht auch in der Organisation der Reise durch Sebastian Weilbach, Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes Schwaben, der bereits als Kind an einem Austausch mit Mortain teilgenommen hatte. Die jetzige Reise knüpft damit an frühere Begegnungen an und führt diese im Sinne der Verständigung fort. Dieses Bild steht sinnbildlich für die Arbeit des Volksbundes: Aus Erinnerung wächst Verantwortung – und aus Begegnung entsteht Zukunft.
Die Reise hat eindrucksvoll gezeigt, dass Erinnerung Brücken bauen kann – zwischen Generationen, Nationen und Menschen. Der Volksbund leistet hierzu einen unverzichtbaren Beitrag: durch die Pflege von Kriegsgräberstätten, durch Bildungsarbeit und durch internationale Begegnungen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kehrten mit vielen Eindrücken und der Überzeugung zurück: Frieden braucht Erinnerung – und Menschen, die sie lebendig halten.