Bei hochsommerlichen Temperaturen und strahlender Sonne haben 30 Schülerinnen der 11. Klasse des Maria-Ward-Gymnasiums München im Rahmen des von ihrer Schule ausgerufenen Make A Difference Day am 24. Juni 2026 einen eindrucksvollen Aktionstag auf der Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof gestaltet. Gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. setzten sie sich mit der Geschichte des Ortes auseinander, beschäftigten sich mit Einzelschicksalen der dort Bestatteten und leisteten anschließend einen tatkräftigen Beitrag zur Pflege der Anlage.Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums München beim Pflegeeinsatz auf der Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof.
Make-a-difference-day an der Kriegsgräberstätte Waldfriedhof
Die Kriegsgräberstätte als Lernort
Zu Beginn des Tages erhielten die Schülerinnen eine Einführung in die Arbeit des Volksbundes und in die Geschichte der Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof. Die Anlage wurde 1965 fertiggestellt und gehört zu den großen Kriegsgräberstätten in Deutschland. Hier ruhen 3.540 Tote beider Weltkriege aus 18 Nationen. Unter den Bestatteten befinden sich Soldaten, Kriegsgefangene und zivile Opfer, darunter auch Frauen, Kinder und Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Arbeit nach Deutschland gezwungen wurden. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Kriegsgräberstätte zu einem eindrucksvollen außerschulischen Lernort. Sie zeigt, dass Krieg und Gewaltherrschaft nicht abstrakte Begriffe bleiben, sondern konkrete Lebenswege berühren, zerstören und bis in die Gegenwart nachwirken. Die Schülerinnen konnten vor Ort erfahren, dass Erinnerungskultur nicht allein aus Gedenkreden oder historischen Daten besteht, sondern aus der bewussten Auseinandersetzung mit Menschen, Namen, Biografien und historischen Zusammenhängen.
Biografien statt bloßer Zahlen
Im anschließenden Biografie-Workshop näherten sich die Schülerinnen ausgewählten Lebensgeschichten der auf der Kriegsgräberstätte bestatteten Menschen. Ausgehend von Namen, Geburts- und Sterbedaten sowie historischen Kontexten wurde gefragt, was sich aus einzelnen Biografien über die Zeitgeschichte lernen lässt. Dabei ging es auch um grundlegende Fragen des Erinnerns: Wie kann heute angemessen an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert werden? Welche Verantwortung tragen nachfolgende Generationen für den Erhalt solcher Orte? Und wie kann ein Kriegsgrab zu einem Ausgangspunkt historisch-politischen Lernens werden?
Die Auseinandersetzung mit Einzelschicksalen eröffnete den Schülerinnen einen persönlichen Zugang zur Geschichte. Sie machte deutlich, dass hinter jeder Inschrift ein Mensch stand – mit Herkunft, Familie, Hoffnungen, Brüchen und einem Lebensweg, der durch Krieg, Gewalt oder Verfolgung endete. Gerade darin liegt die besondere pädagogische Kraft von Kriegsgräberstätten: Sie führen von der großen Geschichte zum einzelnen Menschen zurück.
Dank an die Schülerinnen
Zum Abschluss des Tages bedankte sich Bildungsreferent Wilken Hustert im Namen des Volksbund-Landesverbandes Bayern sowie des Bezirksverbandes München (Stadt und Land) herzlich bei den Lehrkräften und Schülerinnen für ihren Einsatz. Als Zeichen der Anerkennung erhielten sie Urkunden sowie ein kleines Dankesgeschenk. Der große Erfolg des Tages war vor allem dem Interesse, der Offenheit und dem tatkräftigen Engagement der Schülerinnen zu verdanken. Sie haben gezeigt, dass junge Menschen bereit sind, sich mit schwieriger Geschichte auseinanderzusetzen und zugleich Verantwortung für deren sichtbare Erinnerungsorte zu übernehmen.
Warum solche Aktionstage wichtig sind
Aktionstage wie der Make A Difference Day sind für die Bildungsarbeit des Volksbundes von besonderer Bedeutung. Sie bringen junge Menschen unmittelbar mit Geschichte in Verbindung und eröffnen Zugänge, die im Klassenzimmer allein nur schwer entstehen können. An einem Ort wie der Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof werden die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft konkret erfahrbar. Gerade die Verbindung aus Workshop, Gesprächen und praktischem Einsatz macht den besonderen Wert des Formats aus. Die Schülerinnen konnten historisches Wissen erwerben, über Erinnerungskultur diskutieren und zugleich selbst etwas zur Pflege des Ortes beitragen. Damit wurde der Aktionstag zu einem Beispiel dafür, wie lebendige Gedenk- und Bildungsarbeit aussehen kann: respektvoll, handlungsorientiert und nah an den Menschen.
Der Make A Difference Day am Waldfriedhof hat eindrucksvoll gezeigt, dass Erinnern nicht passiv bleiben muss. Es kann bedeuten, hinzusehen, nachzufragen, zu pflegen, zu bewahren – und Verantwortung zu übernehmen.