Meldungen aus dem Landesverband Bayern
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Liebe zur Heimat und Engagement für Völkerverständigung

Sudetendeutsche Landsmannschaft in Bayern blickt auf 75-jähriges Bestehen zurück

Steht für den Weg des Dialogs: Der frühere Europaabgeordnete und Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Bernd Posselt bei seiner Ansprache. Jörg Raab / Volksbund

Mehr als eine Million Sudetendeutsche kamen im Gefolge des Zweiten Weltkrieges nach Bayern. Durch die nach wie vor nicht annulierten Vertreibungsdekrete entrechtet, enteignet und heimatlos fanden sie aus bitterer Not heraus wieder ihren Lebensmut. Mehr noch: Sie wollten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und sie taten es: mit der Gründung der Landesgruppe Bayern in der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) im Jahr 1949. Die Landesgruppe ist bis heute die Stimme der Volksgruppe – von der Erlebnisgeneration bis zu deren Nachkommen, die sich zu ihrer sudetendeutschen Identität bekennen. 75 Jahre SL-Landesgruppe Bayern stehen für 75 Jahre überzeugtes Engagement für Freiheit, Demokratie und Völkerverständigung in Europa und 75 Jahre unerschütterliche Liebe zur Heimat - in Böhmen, Mähren und Schlesien wie heute auch in Bayern.

Landesobmann Steffen Hörtler begrüßte die die rund 350 Gäste im Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz in München, darunter zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Ulrike Scharf, MdL, Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales und Stellvertretende Ministerpräsidentin, richtete ein Grußwort an die Anwesenden: „75 Jahre Bundesrepublik Deutschland, 75 Jahre Sudetendeutsche Landsmannschaft Bayern, als ´vierter Stamm´ im Freistaat – beides sind Erfolgsgeschichten“, so die Ministerin.

Die Festansprache hielt Dr. h.c. Bernd Posselt, MdEP a.D., Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe und Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Er übermittelte die Grüße des Staatspräsidenten der Tschechischen Republik Petr Pavel. Posselt rekapitulierte in freier Rede die wechselvollen deutsch-tschechischen Beziehungen seit Ende des Zweiten Weltkrieges und betonte, dass man bilateral fest entschlossen sei, „den Weg des Dialogs fortzusetzen“.

Eine geistliche Schlussbetrachtung von Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken, rundete die Veranstaltung ab.

Musikalisch umrahmt wurde die Jubiläumsfeier durch Harfistin Marika Cecilia Riedl, SL-Förderpreisträgerin und die Egerländer Blaskapelle aus Waldkraiburg.

Jörg Raab, Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., gratulierte zum besonderen Jubiläum und überreichte als Zeichen der Verbundenheit beider Verbände an Landesobmann Hörtler ein Kerzenpräsent.

Der Volksbund ist seit 1990 in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Tschechoslowakei (CSSR) offiziell tätig. Der Artikel 30 des Deutsch-Tschechoslowakischen Nachbarschaftsvertrages von 1992 enthält die Absichtserklärung beider Regierungen, die Kriegsgräber zu schützen und ihre Erfassung und Pflege zu ermöglichen. Auch die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997 bezieht die Frage der Renovierung von Grabstätten mit ein. Der Volksbund betreut aktuell elf Anlagen in Tschechien mit ingesamt 26.775 deutschen Kriegstoten. So sind beispielsweise auf der Kriegsgräberstätte Cheb (Eger) 6.004 deutsche Tote aus dem Zweiten Weltkrieg bestattet, die der Volksbund seit 2008 in 145 Orten bergen konnte. Zusätzlich ruhen dort auch die Gebeine vieler ziviler Kriegstoter, die nach Kriegsende durch Flucht und Vertreibung ihr Leben verloren.