Meldungen aus dem Landesverband Bayern

80 Jahre Überfall auf die Sowjetunion: Der Krieg im Osten im Spielfilm

Gemeinsame Filmreihe des Volksbund-Bezirksverbands Oberpfalz und des Evangelischen Bildungswerks Regensburg

Der 1958 entstandene Spielfilm "Der Arzt von Stalingrad" mit O.E. Hasse und Eva Bartok basiert auf einem Bestseller des Autors Heinz G. Konsalik. Fernsehjuewelen GmbH

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, im Zuge des Zweiten Weltkrieges, begann Hitlers Überfall auf die Sowjetunion. Der Krieg im Osten sollte sich grundlegend von dem im Westen unterscheiden. Hitler führte den Krieg im Osten als „Weltanschauungskrieg“ und plante ihn als Vernichtungskrieg gegen vermeintliche „Untermenschen“. Der Krieg im Osten wurde mit unbarmherziger und rücksichtsloser Brutalität und Grausamkeit geführt, auf beiden Seiten. Mit einer Invasionsarmee von über 3 Millionen deutscher und Soldaten verbündeter Länder begann das Unternehmen „Barbarossa“, so der Deckname des NS-Regimes für die Offensive der Wehrmacht im Osten. Die deutschen Ziele waren die Eroberung von „Lebensraum im Osten“, die Auslöschung des Bolschewismus und die Vernichtung der in der Sowjetunion lebenden Juden sowie der slawischen „Untermenschen“.

Der Krieg im Osten forderte so von 1941 bis 1945 an die 30 Millionen Opfer auf sowjetischer Seite, dazu kommen weitere Millionen deutscher Soldaten und Zivilisten als Opfer hinzu. Mit der Eroberung Berlins Ende April/Anfang Mai 1945 kehrte der Krieg schließlich zu seinem Ausgangsort wieder zurück.

Dieses gigantische, und letztlich kriegsentscheidende, Ringen im Osten hat auch seine Darstellung im Spielfilm gefunden. Bereits während des Zweiten Weltkrieges entstanden zahlreiche Spielfilme, neben unzähligen Wochenschauen und Dokumentationen, welche den Zweiten Weltkrieg zum Thema hatten. Diese wurden auf allen Seiten gedreht, Ziel war es, der Zivilbevölkerung an der „Heimatfront“ das Kriegsgeschehen, auf unterhaltsame Weise, näher zu bringen, ihr die Kriegsziele des eigenen Landes zu erläutern und damit für die Kriegsanstrengungen zu begeistern und zu motivieren. In der Hinsicht bediente man sich, ebenfalls auf Seiten aller Kriegsparteien, um schablonenhafte und stereotypische Darstellungen des Kriegsgegners, wobei die eigene Seite überhöht ins rechte Licht gerückt wurde. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges riss die Welle von Spielfilmen über den Zweiten Weltkrieg nicht ab, im Gegenteil, er avancierte nun zu einer Art Untergattung des Abenteuerfilms. So manche Werke, speziell in den ersten Nachkriegsjahren, waren jedoch auch nicht frei von klischeehaften Darstellungen und Charakterzeichnungen, nun geprägt vom Kalten Krieg.

In dieser gemeinsam vom Evangelischen Bildungswerk Regensburg und dem Bezirksverband Oberpfalz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. organisierten Filmreihe anlässlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion soll an dieses welthistorische Ereignis erinnert werden. Dazu sind vier Veranstaltungen vorgesehen. In der Auftaktveranstaltung am 14. Oktober 2021 wird der Bezirksgeschäftsführer des Bezirksverbandes Oberpfalz des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Dr. Dario Vidojković, einen in das Thema einleitenden Vortrag geben, wo es auch um Aspekte von Propaganda im Spielfilm gehen wird. Daran anknüpfend sind an weiteren drei Terminen insgesamt drei Filmbeispiele vorgesehen: „The North Star“ (USA 1943), unter der Regie des US-Regisseurs jüdischer Abstammung und zweifachen Oscar-Preisträgers Lewis Milestone (dem Regisseur von „All Quiet On The Western Front“, USA 1930) gedreht. In diesem Film zeichnet Milestone, in Bessarabien als Lew Milstein geboren, den deutschen Überfall auf einen sowjetischen Grenzort und den Widerstand seiner Bewohner gegen die deutsche Wehrmacht nach. Das zweite Filmbeispiel „Padenije Berlina“ (Der Fall Berlins) entstand 1949 unter der Regie des aus Georgien stammenden sowjetischen Regisseurs Micheil Tschiaureli. In diesem epischen auf zwei Teile angelegten Spielfilm, in erbeutetem Agfa-Color-Film in Farbe gedreht, wird der Bogen gespannt von der deutschen Invasion in der Sowjetunion bis zur Eroberung Berlins durch die Rote Armee, versinnbildlich anhand der Schicksale einzelner Protagonisten. In dem Film, als pompöser Prestigefilm angelegt, wird zudem die Rolle Stalins während des Krieges überhöht dargestellt und verklärt, der damit zum Personenkult um den Sowjetherrscher beigetragen hat. Das dritte und letzte Filmbeispiel ist „Der Arzt von Stalingrad (BRD 1958), der auf einem Bestseller des damals populären Autors Heinz G. Konsalik basiert. Dieser Spielfilm beginnt zwar mit dem Ende der für die Wehrmacht verlorenen Schlacht um Stalingrad, thematisiert jedoch im Zentrum der Handlung das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischer Lagerhaft. Vor allem geht es darin auch um das Spannungsverhältnis der deutschen Lagerhäftlinge und ihrer sowjetischen Aufseher. Damit nimmt der Film Bezug auf die Schicksale der erst in den 1950er Jahren aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimkehrenden deutschen Soldaten. Der Film ist um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Kriegsgegner des Zweiten Weltkrieges (und nun des Gegners im Kalten Krieg) bemüht. Nicht zuletzt entstand der Film vor dem Hintergrund der Kontroversen um die deutsche Wiederbewaffnung. Text: Dr. Dario Vidojković/Volksbund.

Vortrag und Filmvorführung jeweils dienstags ab 18.30 Uhr im Evangelischen Bildungswerk Regensburg, Am Ölberg 2 in Regensburg. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldungen sind erforderlich per Anmeldeformular (Verlinkung bei den jeweiligen Terminen) oder bis 12 Uhr am jeweiligen Veranstaltungstag unter Telefon 09 41/59 21 50 oder per E-Mail an ebw@ebw-regensburg.de.

Die Termine

14. Oktober 2021, 18:30 Uhr: Start der Reihe zum 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion EBW Regensburg in Kooperation mit Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Bezirksverband Oberpfalz
Einführung durch Dr. Dario Vidojković/Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.: Zur filmischen Darstellung des Zweiten Weltkrieges an der Ostfront – Stereotype und Propaganda

19. Oktober 2021, 18:30 Uhr: The North Star, USA 1943, Regie: Lewis Milestone

26. Oktober 2021, 18:30 Uhr: Padenije Berlina, UdSSR 1949, Regie: Micheil Tschiaureli

2. November 2021, 18:30 Uhr: Der Arzt von Stalingrad, BRD 1958, Regie: Géza von Radványi

 

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